3.10.19: Kein Raum für Nazis – Gemeinsam gegen Rechtsruck und Nazistrukturen!

Posted: October 12th, 2019 | Author: | Filed under: Redebeiträge, Updates | Comments Off on 3.10.19: Kein Raum für Nazis – Gemeinsam gegen Rechtsruck und Nazistrukturen!

Hallo ihr Lieben,
am 3.10 waren wir mit insgesamt 350 Menschen auf der Demonstration vom haekelclub590 und haben dort den queerfeministischen Block organisiert.
Wir waren sehr beeindruckt vom starken Zulauf und der super Unterstützung durch all die coolen Menschen, die spontan Aufgaben übernommen und – trotz zeitweiligem Scheiszwetter – für eine gute Stimmung gesorgt haben. Auch ein großes Dankeschön an alle Menschen, die selbst Transpis und Fahnen mitgebracht und unseren Block dadurch sichtbar gemacht haben.
Die Demonstration richtete sich gegen den Rechtsruck und die lokalen Nazistrukturen. Im Zuge dessen wurde unter dem Motto “Kein Raum für Nazis – Gemeinsam gegen Rechtsruck und Nazistrukturen!” vor allem die Schließung des lokalen Nazizentrums im Kentroper Weg gefordert. Den Umgang der Stadt Hamm mit dieser Lokalität haben unsere Freund*innen vom haekelclub590 in ihrem Redebeitrag stark kritisiert und forderten ein konsequentes Vorgehen mit allen Mitteln seitens der Stadt.

Auch wir haben bei der Abschlusskundgebung einen Redebeitrag gehalten, indem wir analysierten, was der Rechtsruck denn überhaupt mit Queerfeminismus zu tun hat und weshalb genau Queerfeminismus heutzutage so wichtig ist. Daraufhin haben wir super viel positive Rückmeldung bekommen und werden euch den Beitrag hier am Ende noch einmal zum Nachlesen zur Verfügung stellen.

Trotz dessen darf man aber auch negative Punkte nicht außer Acht lassen. Nach dem Redebeitrag der Jusos Hamm wurde deren Sprecher aus dem von der linksjugend solid Hamm organisierten Roten Block körperlich angegangen. Im Zuge dieser Auseinandersetzung wurde eine unbeteiligte queere POC von Personen des “Roten Blocks” mit homophoben und ableistischen Aussagen beleidigt. Solche Aussagen von einer Gruppe, die sich Queerfeminismus auf die Fahne schreibt, verurteilen wir zutiefst! So etwas kann und darf nicht sein – schon gar nicht auf einer antifaschistischen Demonstration,welche sich unter anderem gegen derartige Menschenverachtung richtet. Wir zeigen uns solidarisch mit der betroffenen Person und distanzieren uns von diesem vermeintlichen “Queerfeminismus”. Unser Queerfeminismus ist und bleibt antifaschistisch, antirassistisch, antiableistisch und frei von jedem Antisemitismus und allen anderen Menschenfeindlichkeiten!
Abgesehen von diesem Vorfall war der Tag für uns aber sehr erfolgreich! Wir freuen uns auf alle Menschen, die auch in Zukunft unsere Veranstaltungen besuchen und uns supporten!
Da wir so viel positive Rückmeldung bekommen haben, hier noch einmal unser Redebeitrag:

Liebe Freund*innen…,
danke, dass ihr heute alle mit uns bei diesem wichtigen Thema auf der Strasze seid!
Wir, die Lila*Lösung, sind eine queerfeministische Gruppe aus Hamm. Wir haben uns im Mai diesen Jahres gegründet. Das Thema Queerfeminismus war in Hamm vorher kaum präsent.
Wir wollen diese Lücke füllen und neben dem Aufklären über jegliche Diskriminierungen, queeren Lebensweisen Sichtbarkeit und Gehör verschaffen. Deshalb sind wir auch so froh, dass ihr euch auf der Demo vom haekelclub590 unserem queerfeministischen Block angeschlossen habt!
Diese Demo richtet sich gegen die lokalen Nazistrukturen und den gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck auf allen Ebenen. Doch was hat Queerfeminismus jetzt damit zu tun?
Eine gesellschaftliche Struktur, die auf Hierarchien aufgebaut ist und einem stetigen Konkurrenzdenken unterliegt, fördert patriarchale Strukturen, die kulturübergreifend und somit weltweit vorhanden sind. In Zeiten, in denen rechten Parteien zunehmend mehr Raum gegeben wird, wird die Relevanz von Antifeminismus deutlich spürbar.
Zur großen Erzählung des angeblichen Niedergangs Deutschlands gehört neben dem heraufbeschworenen Bedrohungsszenario „Migration“ immer auch das Feindbild Feminismus. In kompletter Ignoranz aktueller politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Realitäten behauptet die AfD-Fraktion im NRW-Landtag: Gleichstellung bedeute am Ende, dass Frauen bevorzugt werden. Mit diesem Argument forderte die AfD NRW zur Landtagswahl die Abschaffung der Gleichstellungsbeauftragten.

Offen sexistische Aussagen, Bilder und Forderungen finden sich haufenweise, insbesondere bei der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“. Das Feindbild „Gender“ bzw. Geschlechtergerechtigkeit ist in den Wahl- und Parteiprogrammen der AfD auffallend präsent. Die Partei lehnt geschlechterneutrale Sprache mit dem Argument ab, diese sei „unnatürlich“; Gender Studies als Forschungszweig an den Universitäten sähe die Partei am liebsten abgeschafft; und unter dem Kampfbegriff „Frühsexualisierung“ wendet sich die AfD gegen Lehrpläne, die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt als Normalität im schulischen Kontext thematisieren. Sie tun so, als seien Kinder und Jugendliche mit der längst zur Normalität gewordenen Vielfalt von Lebensentwürfen überfordert. Dabei sind es wohl eher die grauen Herren und Damen der AfD selbst, denen die gesellschaftliche Anerkennung unterschiedlicher Lebensrealitäten Unbehagen bereitet.
Doch auch in der Gesamtgesellschaft gibt es stetigen Gegenwind gegen den sogenannten “Gender-Wahnsinn”.
Feminismus ist ein zentrales Feindbild in unserer Gesellschaft, welches in einigen Gruppen anschlussfähiger ist als Rassismus.

Der Unwille eigene Privilegien zu hinterfragen, ist bei Männern der akademischen Mittelschicht ebenso ausgeprägt, wie bei den vielbeschworenen „Abgehängten“. Sie alle sehen gemeinsam die Vorteile in einem konservativen, nahezu antimodernen Familien- und Gesellschaftsbild: Wer ansonsten nichts ist, ist immerhin noch Mann.
An Sexismus im Alltag kommt man heutzutage nicht mehr vorbei. Einen großen Teil davon macht Werbung aus, mit der wir permanent konfrontiert sind. Sei es durch eine entwertende und sexualisierte Darstellung von weiblich gelesenen Personen, oder stereotypes Gender-Marketing. Hierbei werden Menschen, die nicht dem hetero-normativen Bild entsprechen, meist komplett außen vor gelassen und finden keine Erwähnung. Aber auch in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen werden queere Menschen diskreditiert und diskriminiert, zum Beispiel indem ihnen ihre Identiät nicht anerkannt wird. Ein ganz offensichtliches Beispiel hierfür sind öffentliche Toiletten, welche in der Regel nur in männlich und weiblich unterteilt werden.

Immer noch wird Menschen, die schwanger werden können, das Recht über den eigenen Körper zu entscheiden abgesprochen, was bei Debatten um den Abtreibungsparagraphen gut erkennbar ist. Ebenfalls werden hier Menschen, die sich nicht als Frauen identifizieren und schwanger werden können, komplett außer Acht gelassen.

Beim sogenannten Pro-Life-Bündnis, welches sich vehement gegen Abtreibungs- und Selbstbestimmungsrechte einsetzt, vereinen sich alle antifeministischen Strömungen unter einem Dach. Auch Parteien der sog. Mitte wie die CDU und ihre Jugendorganisation ,,Junge Union”, haben anscheinend kein Problem beim “Marsch für das Leben” Seite an Seite mit Fundamentalist*innen und Neonazis zu laufen. Antifeminismus ist und bleibt ein gemeinsamer Nenner jeder rechten Ideologie!

Das wollen wir so nicht stehen lassen! Also was kann Queerfeminismus dagegen tun? Und was ist das überhaupt genau?
Für uns bedeutet Queerfeminismus die Gleichheit aller Menschen. Also gegen die Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und -auslebung. Unser Queerfeminismus ist antifaschistisch! Das heißt frei von Rassismus, Ableismus, jedem Antisemitismus und jeglichen anderen Menschenfeindlichkeiten. Wir stehen ein für eine solidarische Gesellschaft und für die freie Auslebung alternativer Lebensentwürfe!

Doch wie fängt man da an? Wir finden: in der Aufklärung und in der Bildungsarbeit. Damit, dass wir mit Menschen sprechen, Horizonte erweitern und Selbstreflektion anregen. Wir wollen aufzeigen, was wir alle durch unsere Sozialisation mitbekommen. Durch die gesellschaftliche Annahme, dass alle Menschen erst einmal hetero und cis sind, sich also als das Geschlecht identifizieren, welches ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde, ist ein Ausbruch daraus oft nicht einfach. Das ist oft mit Diskriminierung, Selbstzweifeln und anderen Hürden verbunden. Wir wollen Vorurteile aufbrechen und Menschen, die unter diesen Dingen leiden müssen, empowern!

Dazu müssen wir alle ein Bewusstsein dafür schaffen. Sowohl bei uns selbst, als auch bei anderen! Wir müssen zusammen stehen und dürfen uns nicht unterkriegen lassen!


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